 5.2 Wann ist eine stationäre Behandlung notwendig 5.3 Wann ist eine ambulante
Behandlung notwendig 5.4 Der positive
Einfluß der Gruppe 5.5 So
sichern Sie den Behandlungserfolg
5.6 Ich habe ein neues Kind: Positive Veränderung der Persönlichkeit
5.1 Wann ist eine Psychotherapie nötig?
Von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist der Versuch der
Gewichtsabnahme bei einem Kind, bei dem eine tiefergehende seelische Störung Mit- oder
Hauptgrund für die Enstehung des Übergewichts ist. Es gibt bei sehr großem Übergewicht
auch sekundär enstandene seelische Schäden, die mindestens so behandlungsbedürftig sind
wie das Übergewicht selbst.
Unverzichtbar ist eine Psychotherapie bei:
Suchthaftem Eß- oder Trinkverhalten (Verzehr großer
Nahrungsmittel,viel Süßigkeiten, Unmengen süßer Getränke.
Fällen von Bullimie = Verzehr enormer Nahrungs- bzw. Kalorienmengen
und anschliesendem wilkürlichen Erbrechen.
Anzeichen einer depressiven Grundstimmung, permanenter Unlust,
Antriebslosigkeit, starken Minderwertigkeitsgefühlen, Kontaktarmut bzw. totaler
Isolation.
Bei Übergewicht als Folge einer schweren seelischen Belastung
(Scheidung der Eltern, Tod eines Elternteils, chronische Krankheiten von
Familienmitgliedern)
-Bei überzogenen Leistungsansprüchen an das eigene Ich, durch die
laufend Mißerfolge vorprogrammiert sind.
In der Regel sollte der behandelnde (Kinder-)Arzt über die
Notwendigkeit der Psychotherapie entscheiden, und meist wird in diesen Fällen auch eine
stationäre Behandlung (=Kur) am Anfang aller Bemühungen stehen.
Bei psychisch belasteten Kindern wirkt oft schon der Milieuwechsel
Wunder. An den stationären Aufenthalt schließen sich oft längerfristige Psychotherapien
an, um eine erfolgreiche Nachbehandlung ohne Rückfälle zu garantieren. Hierbei ist
ebenfalls die Mitwirkung der Eltern von entscheidender Bedeutung.
5.1 Wann ist eine Psychotherapie notwendig 5.3 Wann ist eine ambulante Behandlung notwendig 5.4 Der positive Einfluß der Gruppe 5.5 So sichern Sie den Behandlungserfolg 5.6 Ich habe ein neues Kind:
Positive Veränderung der Persönlichkeit
5.2 Wann ist eine stationäre Behandlung sinnvoll?
Da bei der Entstehung des Übergewichts eine Reihe von Faktoren
ursächlich beteiligt sind, ist es sehr schwer, eine Gewichtsabnahme zu Hause erfolgreich
durchzuführen.
Treffen viele der unten aufgefürten Faktoren zu, sollte eine stationäre Behandlung
als Initialzündung ins Auge gefaßt werden.
Übergewicht über 35 - 40
Auffällige Psyche, seelische Störungen
Suchthaftes Eßverhalten
"Brokenhome"-Belastungssituation in der Familie
Zusatzkrankheiten, z.B. orthopädische Leiden,
Fettstoffwechselstörung
Die körperliche Leistungsfähigkeit ist bereits stark eingeschränkt
Der kontakt zu anderen Kindern ist bereits sehr mangelhaft
Der Einfluß von Spielkameraden ist negativ, d.h. überwiegend
konsumorientiert, passiv
Die Schulleistung ist bereits beeinträchtigt
Offenkundig wird das tiefer sitzende Problem des Übergewichts von 50%
aufwärts. Zu einem Kind mit diesem Ballast zu sagen: Treibe mehr Sport, bewege dich
mehr, verkennt die Schwierigkeiten des Kindes völlig. Das Übergewicht wirkt da
schon so behindernd, daß das Kind von sich aus kaum Sport treiben wird und es ihm
unmöglich ist, mit Gleichaltrigen in puncto Schnelligkeit, Wendigkeit oder Ausdauer
mitzukommen. Auch in einem Sportverein wird man in der Regel nicht die Rücksicht
vorfinden, die nötig wäre, wieder Anschluß zu finden und Spaß am Sport und ander
Bewegung zu bekommen.
Dies gelingt am besten im Schonraum einer Reha-Klinik für Kinder und
Jugendliche, wo viele Leistungsschwache zusammenkommen. Geschulte Sporttherapeuten
fördern dort das Kind entsprechend seiner Leistungsfähigkeit durch dosierte Belastung.
Entsprechend der Vielfalt der Belastungsfaktoren bemüht sich ein Therpeutenteam um das in
vieler Hinsicht beeinträchtigte Kind. Ein Beispiel: Wenn ein Kind in Folge der Scheidung
der Eltern seelische Störungen entwickelt, suchthaft nascht, dick wird und in seinen
schulischen Leistungen nachläßt, benötigt man zur Aufarbeitung der Problematik
Psychologen, evtl. Heilpädagogen, Diätassistenten, Sportthrapeuten, Ärzte und eine
Schulstation, in der nicht noch zusätzlich Druck ausgeübt wird.
5.1 Wann ist eine Psychotherapie notwendig 5.2 Wann ist eine stationäre Behandlung notwendig 5.4 Der positive Einfluß der
Gruppe 5.5 So sichern Sie den
Behandlungserfolg 5.6 Ich
habe ein neues Kind: Positive Veränderung der Persönlichkeit
5.3 Wann ist eine ambulante Behandlung sinnvoll?
Bei günstigen familiären Bedingungen, guter Motivation des Kindes zur
Gewichtsabnahme und nicht zu großem Übergewicht (unter 40%) kann die Behandlung zu Hause
versucht werden. Daraus geht bereits hervor, daß man nicht zu lange warten sollte, die
Gewichtsreduktion eines adipösen Kindes anzustreben. Auf den oft auch von ärztlicher
Seite geäußerten Spruch Das verwächst sich schon noch, sollte man lieber
nicht bauen. Richtig ist allerdings, daß einer der günstigsten Behandlungszeitpunkte im
Leben eines Kindes die Vorpubertät oder beginnende Pubertät ist, also das Alter zwischen
10 und 13 Jahren. In dieser Lebensphase ist das Wachstum gesteigert; außerdem ist bereits
Verständnis da für die notwendigen Therapiemaßnahmen und oft manifestiert sich schon
die persönliche Eitelkeit. Sie kann als Triebfeder für eine erfolgreiche Gewichtsabnahme
durchaus genutzt werden. Die mit der Diät verbundene Frustration und die anfängliche
Quälerei beim Sport können durch gute Motivation und verstandesmäßige
Fixierung des Kindes auf sein Fernziel - einer annehmbaren Figur - am ehesten
toleriert werden. Es genügt oft , wenn ein Kind mit mäßigem Übergewicht für den
Zeitraum eines Jahres sein Gewicht halten kann. In der Pubertätsphase sind 10cm Wachstum
pro Jahr keine Seltenheit. Bei Gewichtsstillstand bedeutet dies, daß sich 10 kg
Übergewicht im Laufe eines Jahres tatsächlich verwachsen können. Günstige Aussichten
also bei Kindern in der Pubertätsphase!
Bei folgenden günstigen Rahmenbedingungen und nicht zu extremem
Übergewicht kann eine ambulante Behandlung erfolgreich sein.
Übergewicht unter 35 - 40%
Psyche unauffällig
Eßverhalten nicht außergewöhnlich
Familiensituation hormonisch und geordnet
Keine Zuckerkrankheiten
Sport noch gut möglich
Guter Kontakt zu anderen Kindern
Versorgung durch die Eltern
Einfluß von Spielkameraden positiv; d.h. aktivierend
Schulische Leistungen normal
Günstig ist dabei der Einfluß einer Gruppe beim
abspecken.
5.1 Wann ist eine Psychotherapie notwendig 5.2 Wann ist eine stationäre Behandlung notwendig 5.3 Wann ist eine ambulante
Behandlung notwendig 5.5 So
sichern Sie den Behandlungserfolg
5.6 Ich habe ein neues Kind: Positive Veränderung der Persönlichkeit
5.4 Der positive Einfluß der Gruppe
Die Arbeit in und mit einer Gruppe ist das Gegenteil von Isolation.
Damit ist der Anschluß eines Kindes an eine Gruppe bereits Teil der Therapie, da bei den
dicken Kindern die Isolation im Vordergrund steht. Die natürliche Gruppe ist die Familie,
sie ist daher als erste gefordert. Gemeinsame Ausflüge, Wanderungen, Unterstützung der
Diät bzw. Mitmachen bei der Reduktionskost, helfen dem Kind ganz wesentlich. Desweiteren
sollten Vereinsangebote für den Sport (Schwimmverein, Radfahrclub, Skiclub, Wanderverein,
Tanzsportgruppe usw.) genutzt werden. Schulsport alleine genügt nicht, er ist ohnehin ein
Stiefkind vieler Kultusministerien. Sportarten die der Neigung des Kindes
entsprechen, sollten ausgesucht werden, wobei mindestens zweimal die Woche zusätzlich zum
Schulsport trainiert werden muß.
Eine außerordentlich hilfreiche Maßnahme ist eine Therapiegruppe.
Engagierte Eltern, Ökotrophologen der Krankenkassen und Kinderärzte können im
Schulterschluß das Problem der ambulanten Gewichtsabnahme am ehesten meistern, wenn
regelmäßige Treffen mit den Kindern erfolgen. Im Idealfall laufen Ernährungsprogramm,
Sportprogramm, pädagogische und psychologische Führung der Kinder zu einem großen Teil
über diese Therapiegruppe. Das setzt freilich die Mitwirkung von Fachleuten voraus. Unter
richtiger Anleitung ist die Diätgruppe der sicherste und beste Weg zur ambulanten
Gewichtsreduktion.
5.1 Wann ist eine Psychotherapie notwendig 5.2 Wann ist eine stationäre Behandlung notwendig 5.3 Wann ist eine ambulante
Behandlung notwendig 5.4 Der positive
Einfluß der Gruppe 5.6
Ich habe ein neues Kind: Positive Veränderung der Persönlichkeit
5.5 So "sichern" Sie den Behandlungserfolg
Um den Behandlungserfolg zu sichern, sollten Sie folgende Punkte
beachten:
Regelmäßige Gewichtskontrolle
Weiterhin kontrollierte Nahrungszufuhr und bewußte Nahrungsaufnahme
Festes Bewegungsprogramm: 2 -3 x wöchentlich (Ausdauer)Sport
Aktive Wochenendgestaltung
Auf`s Auto verzichten, wo es geht
Statt Konsumverhalten aktive, kreative Lebensgestaltung fördern
Sitzzeiten auf das nötige Minimum reduzieren (Schule, Hausaufgaben)
Wenn nötig Fernseher und Video aus der Wohnung eliminieren,
zumindest dosieren
Eltern sollten Kindern Vorbild sein!
Pflege "altmodischer Tugenden": Selbstüberwindung,
Bescheidenheit, Idelismus, Naturverbundenheit
Bei der Betrachtung dieser Zusammenstellung wird klar, daß wir die
ursprünglich vielleicht etwas enge Sichtweise von Übergewicht, zuviel Speck,
Bilanzproblem, Abspecken, Diät, Abtrainieren etc. längst verlassen haben.Das problem bei
der Entstehung von Übergewicht, und der Weg, es wieder erfolgreich zum Verschwinden zu
bringen, ist letztlich eine Frage der gesamten Lebensweise. Es dreht sich darum, das Kind
von einer passiven, konsumorientierten Lebensweise zu einem aktiven, kreativen Lebensstil
zu führen. Wenn es gelingt, das Kind aus seiner Passivität herauszuführen, werden sich
selbstbestätigende Erfolgserlebnisse von selbst einstellen. Dazu ist es erforderlich,
nicht allen Annehmlichkeiten der modernen Industriegesellschaft zu blind verfallen,
sondern an der eigenen Entwicklung zu arbeiten. Es kommt also drauf an, sich an neuen
Werten zu orientieren,auch wenn sie im Kern vielleicht altmodisch sind
Ein Beispiel: Wenn das Erlebnis einer beschwerlichen Wanderung höher
steht als das einer Kaffeefahrt mit dem Auto, ist bereits ein persönlicher Wertewandel
vollzogen. Wenn es gelingt, eine kritische Einstellung zu Fernshen zu entwickeln, bedeutet
dies schon Distanz zum gedankenlosen, geistigen Konsumverhalten und Einschränkung
stundenlanger Bewegungsfaulheit. Weiterer positiver Nebeneffekt: Auch die Berieselung mit
Werbung, die unter anderem auch ein Leben im Schlaraffenland der Annehmlichkeiten
propagiert, reduziert sich. Eltern müssen Kindern ein Vorbild sein!
5.1 Wann ist eine Psychotherapie notwendig 5.2 Wann ist eine stationäre Behandlung notwendig 5.3 Wann ist eine ambulante
Behandlung notwendig 5.4 Der positive
Einfluß der Gruppe 5.5 So
sichern Sie den Behandlungserfolg
5.6 Ich hab ein neues Kind: Positive Persönlichkeitsveränderung
Hier sind noch einmal die wesentlichen Veränderungen aufgeführt, die
sich bei einem ehemals dicken Kind einstellen, wenn eine Behandlung erfolgreich verlaufen
ist. Manche dicken Kinder sind nach einer Gewichtsabnahme von 20 - 30 kg nicht
wiederzuerkennen - im positiven Sinne.
|
Vor der Therapie |
|
Nach der Therapie |
| Gewicht: |
Ballast |
|
entlastete |
| Körper: |
unförmig |
|
"gute Figur" |
| Stimmung: |
gedrückt |
|
fröhlich |
| Laune: |
negativ |
|
positiv |
| Psyche: |
belastet |
|
entlastet |
| Bewegung: |
schwerfällig |
|
leichtfüßig |
| sozial: |
isoliert |
|
kontaktfreudig |
| Leistung: |
eingeschränkt |
|
optimal |
| Persönlichkeit: |
Minderwertigkeitsgefühle |
|
Selbstbewußtsein |
Alle Veränderungen einer erfolgreichen
Adipositastherapie haben eine positive Richtung und potentieren sich gegenseitig zu einem
äußerst positiven Persönlichkeitsbild!
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