1.1 Wie entsteht Übergewicht ?
1.2
Psychische Faktoren 1.3 Eß- und
Freizeitverhalten 1.4 Wann
und warum ist Übergewicht gefährlich ? 1.5 Wie stelle ich fest ob mein Kind zu dick ist?
Das äußere Erscheinungsbild eines Kindes mit ernährungsbedingtem
Übergewicht - es wirkt dick durch verstärkte Bildung von Fettdepots - wird
letztlich durch ein Bilanzproblem verursacht: Das Kind hat über längere Zeit mehr
Energie aufgenommen, als es benötigt hat. Die durch dieses Ungleichgewicht aufgenommene
überschüssige Nahrungsenergie wurde vom Organismus in körpereigenes Fett umgewandelt
und imUnterhautfettgewebe gespeichert. Leichte Fetteinlagerungen werden anfangs noch kaum
wahrgenommen, bei länger anhaltender und ausgeprägter Überernährung bilden sich jedoch
z.T. sehr deutliche Speckfalten und Rettungsringe. Dabei reicht es
schon, wenn das Kind über längere Zeit ein paar hundert Kalorien täglich mehr zu sich
genommen hat, es muß also kein ausgesprochener Vielfraß sein.
Das Körpergewicht wird konstant gehalten, wenn der Energieverbrauch
für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen, für Wachstum, sowie Bewegung, Sport und
Spiel durch die dafür benötigte Energieaufnahme durch Essen und Trinken gedeckt wird.
Die Waage ist im Gleichgewicht.
Wenn die Energiezufuhr über einen längeren Zeitraum größer ist als
der Energieverbrauch, kommt es zu einem Gewichtsanstieg durch vermehrte Bildung von
Körperfett, die Waage zeigt ein Ungleichgewicht an.
Wenn der Energieverbrauch langfristig größer ist als die
Energiezufuhr, z.B. bei einer Reduktionsdiät oder bei starker körperlicher Betätigung
(z.B. Sport) und gleichzeitiger konstanter oder reduzierter Nahrungszufuhr, nimmt der
Körper zur Vollbringung der Leistung die fehlende Energie aus seinen Fettspeichern, das
Kind nimmt ab.
1.2 Welche Rolle spielen psychische
Faktoren?
1.1 Wie entsteht Übergewicht 1.3
Eß- und Freizeitverhalten 1.4
Wann und warum ist Übergewicht gefährlich ? 1.5 Wie stelle ich fest ob mein Kind zu dick ist?
Bei Kindern, die durch zuviel Essen und Trinken dick geworden sind,
spielen oft viele Faktoren eine auslösende Rolle. Häufig (natürlich nicht immer) sind
es psychische Probleme bzw. Konflikte, die durch das Umfeld entstehen:
So können z.B. Unzufriedenheit, Einsamkeit, Langeweile, Mangel an
Zuwendung, Lieblosigkeit, Frust, Ängste (Scheidung der Eltern, Tod), Leistungsdruck und
Schulstreß, falsche Ernährungsgewohnheiten der Eltern(Beispiel: Der Teller muß
leergegessen werden,Süßigkeiten als Trost, Lob oder Ersatz für
Zuwendung bewirken, daß ein ursprünglich normalgewichtiges Kind Trost für sein
inneres Unwohlsein im Essen sucht. Dadurch schafft es sich für eine gewisse Zeit
Wohlbefinden und innere Zufriedenheit, kompensiert sein Unwohlsein also durch Genuß von
Nahrungsmitteln und Getränken. Das aus dieser Ersatzbefriedigung in den meisten Fällen
resultierende Dickwerden kann sich seinerseits nun ebenfalls negativ auf die
Psyche des Kindes auswirken:
Es wird durch sein hohes Gewicht träge und bewegungsfaul und hat keine
Lust mehr, mit anderen (schlanken) Kindern herumzutoben, weil es von ihnen gehänselt und
verspottet wird. Dadurch wird es scheu und zieht sich in eine selbstgewählte Einsamkeit
zurück, die ihm zwar Schutz vor Äußerungen der anderen gibt, aber letztendlich zur
sozialen Isolation des Kindes führen kann. Wenn aus dieser Isolation heraus dann wieder
Trost beim Essen und Trinken gesucht wird, dann ist der Teufelskreis geschlossen: Das Kind
wird immer dicker und unglücklicher.
1.3 Wie sieht das Eß- und
Freizeitverhalten dicker Kinder aus?
1.1 Wie entsteht Übergewicht 1.2
Psychische Faktoren 1.4
Wann und warum ist Übergewicht gefährlich ? 1.5 Wie stelle ich fest ob mein Kind zu dick ist?
Nicht alle dicken Kinder wirken auf ihre Umgebung wie ein
ausgesprochener Vielfraß. Oft essen und trinken sie tatsächlich nicht mehr
als ihre schlanken Spielkameraden, haben jedoch einen niedrigeren individuellen Bedarf, so
daß sie auch bei normalen Portionen dick werden (schlechte Futterverwerter).
Es kommt auch vor, daß Kinder bei den Mahlzeiten normale Portionen zu sich nehmen, aber
durch heimliches Naschen und Zwischendurchessen übermäßig viele Kalorien zuführen,
ohne daß die Umgebung es zunächst merkt.
Meistens findet man bei überernährten Kindern einen deutlich
sichtbaren hohen Süßigkeitenkonsum, sieht sie ständig etwas zwischendurch essen oder
trinken, vor allem kalorienreiche süße Limonaden und Colagetränke. Das Taschengeld wird
bevorzugt für Essen und Trinken ausgegeben, oft für eine sehr ungesunde
Nahrungsauswahl:zu salzig (Chips, Salzgebäck, Pommes frites), zu süß (Schokolade
Bonbons, Softdrinks) und zu fett (Wurst, Mayonnaise, Fettgebackenes). Auch Fast-Food nimmt
einen hohen Stellenwert ein. Gesunde vitaminreiche Nahrungsmittel (Obst, Gemüse, Salate)
werden dagagen oft gemieden.
In ihrer Freizeit sitzen und liegen solche Kinder dann häufig nur
herum, sind träge und bewegungsfaul und haben wenig körperlichen Ausgleich beim Sport
und/oder an der frischen Luft. Sie halten sich lieber im Zimmer auf, wo sie lesen, Musik
hören, fernsehen oder Video- und Computerspiele betreiben. Dabei ist dann meist genügend
zum Essen und Trinken greifbar. Besonders ausgeprägt ist dieses Verhalten, wenn Kinder
oft alleine zuhause sind und kaum Ansprache oder Abwechslung haben.
1.4 Wann und warum ist Übergewicht gefährlich?
1.1 Wie entsteht Übergewicht 1.2
Psychische Faktoren 1.3 Eß- und
Freizeitverhalten
1.5 Wie stelle ich fest ob mein Kind zu dick ist?
Der Körper Heranwachsender befindet sich noch in der Aufbau- bzw.
Entwicklungsphase und hat somit noch nicht seine volle Stabilität erreicht. ein
deutliches Übergewicht (mehr als 15 - 20% über Sollgewicht) stellt deshalb eine
gewaltige zusätzliche Belastung für den Halte- und Bewegungsapparat dar. Darüber hinaus
beeinträchtigt es natürlich die Schnellligkeit und Beweglichkeit bzw.
Reaktionsfähigkeit der Kinder, so daß sie aufgrund ihres hohen, schwer zu beherschenden
Gewichts einer erhöhten Verletzungs- und Unfallgefahr ausgesetzt sind. Hierdurch und
durch die ständige Überlastung sind häufig schon früh Schäden an Gelenken,
Wirbelsäule, oder Sehnen festzustellen.
Auch die Organe sind durch Übergewicht verstärkt belastet, so daß
oft bereits früh Schaden an Herz, Gefäßen und Leber festzustellen sind.
Stoffwechselstörungen wie z.B. erhöhte Blutzucker-, Cholesterin-, Triglycerid- und
Harnsäurewerte sowie Bluthochdruck können die Folge sein. Auch wirkt sich Übergewicht
negativ auf die Bewegungsbereitschaft der Kinder aus, es ist für sie weitaus
anstrengender zu laufen und zu springen als für ihre schlanken Altersgenossen. Sie
verspüren weniger Lust an Bewegung und Ausgleichsport und nehmen und nehmen sich dadurch
eine wichtige Möglichkeit, gegen ihr Übergewicht aktiv anzukämpfen und ihren Körper
fit zu machen.
Schäden die bereits spürbar oder auch noch unentdeckt in jungen Jahren durch
Übergewicht gesetzt werden, wirken sich spätestens im Erwachsenenalter aus, z.B. in den
Knie- und Hüftgelenkem (Arthrose) oder auch im verstärkten Arterioskleroserisiko.
Besonders gefährlich ist dies, wenn man bedenkt, daß in der westlichen Welt die
Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach wie vor die Todesursache Nr. 1 sind, und daß falsche und
übermäßige Ernährung sowie der daraus resultierende Bewegungsmangel hierfür
mitverantwortlich sind.
1.5 Wie stelle ich fest, ob mein Kind zu dick ist?
1.1 Wie entsteht Übergewicht 1.2
Psychische Faktoren 1.3 Eß- und
Freizeitverhalten 1.4 Wann und warum ist Übergewicht gefährlich ?
Anders als beim Erwachsenen läßt sich das richtige
Gewicht für Kinder nicht pauschal durch eine Formel definieren. Dies hängt mit den sich
ständig ändernden Proportionen während der verschiedenenen Wachstumsschübe zusammen,
die das Verhältnis von Körpergewicht und Körpergröße verzerren können. Längen- und
Breitenwachstum erfolgen nicht parallel und vor allem nicht bei jedem Kind gleich. Deshalb
ist es wichtig, die individuelle Entwicklung über eine längere Zeit zu beobachten, um
feststellen zu können, ob sich beim Kind ein Übergewicht (oder auch Untergewicht)
ausprägt.
Dabei hilft zunächst der optische Eindruck und der Vergleich mit
anderen Kindern und z.B. deren Konfektionsgröße. Die regelmäßige Kontrolle von Gewicht
(Waage) und Körperlänge (Meßlatte) sowie auch das Messen der Fettfaltendicke beim Arzt
mit dem Caliper geben auch längerfristig Aufschluß über die Entwicklung. Hierbei
dürfen jedoch nicht Momentaufnahmen das Beurteilungskriterium sein, sondern der
Verlauf über Monate und Jahre. Wenn man die gemessenen Werte im Zuge der Entwicklung in
die Kurve mit den Toleranzbereichen einträgt, läßt sich sehr schön ablesen, ob das
eigene Kind innerhalb oder dauerhaft deutlich außerhalb des tolerierbaren Bereichs liegt.
Die Kooperation mit dem Kinderarzt ist hier sehr Wichtig, vor allem wenn die Entscheidung
gefällt wird, ob die Maßnahmen zur Gewichtsregulierung ergriffen werden sollen.
Nicht vergessen darf man hier den großen Vorteil der Kinder gegenüber
den Erwachsenen: Meist reicht bei geringer Abweichung des Gewichts nach oben schon ein
über längere Zeit konstantgehaltenes Körpergewicht, um durch das Längenwachstum wieder
in den Toleranzbereich zu kommen und ein normales Gewicht zu erreichen.
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